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Stalin Brief - Lehren aus dem Mord an Kirow

 

Stalin Brief 1935 - Lehren aus dem Mord an Kirow

Interner Brief des ZK der KPdSU, 18. Januar 1935, nachdem Sinowjew und Kamenew erste "Geständnisse" abgelegt haben. Theoretische Vorbereitung von Stalin für den Roten Terror.

Brief Lehren aus dem Mord an Kirow

Die Lehren aus den Ereignissen im Zusammenhang mit dem Meuchelmord am Genossen Kirow

An alle Parteiorganisationen

Jetzt, da die Ursache des Verbrechens, die antisowjetische Sinowjew-Gruppe, beseitigt ist und die Schuldigen an dem Verbrechen ihre verdiente Strafe erhalten haben, hält das ZK die Zeit für reif, die Schlußfolgerungen zu ziehen, aus den Ereignissen im Zusammenhang mit der Ermordung des Gen. Kirow, diese politisch zu analysieren und die Lehren aus der Analyse dieser Ereignisse zu erkennen.

Dieser Brief des ZK der KPdSU soll den Parteikadern die Aufgabe erleichtern, die Ergebnisse zu verstehen.

I

TATSACHEN

Zunächst müssen folgende unbestreitbare Tatsachen festgestellt werden, die die Untersuchung und das Gerichtsverfahren ergeben haben:

  1. Den Meuchelmord hat die Leningrader Gruppe der Sinowjew-Leute begangen, die sich "Leningrader Zentrum" nennt.

  2. Das "Leningrader Zentrum" wurde ideologisch beeinflußt vom "Moskauer Zentrum" der Sinowjew-Leute, das offensichtlich nichts von der Vorbereitung des Mordes an Gen. Kirow wußte, das aber mit Sicherheit von der terroristischen Stimmung des "Leningrader Zentrums" wußte und diese Stimmung schürte.

  3. Diese beiden "Zentren", die zusammengehören wie der Anstifter eines Verbrechens und der Täter, bildeten eine Einheit, denn sie  waren verbunden durch eine vom Leben widerlegte trotzkistisch-sinowjewsche Plattform und ein gemeinsames prinzipienloses, karrieristisches Ziel: in hohe Funktionen von Partei und Regierung zu gelangen, koste es, was es wolle.

  4. Die Sinowjew-Leute, die durch ihre reaktionäre Plattform das Vertrauen der Arbeiterklasse verloren haben und die mögliche Unterstützung der Masse der Parteimitgliedern, sind für ihre verbrecherischen Ziele in den Sumpf des konterrevolutionären Abenteurertums, in den Sumpf des antisowjetischen individuellen Terrors geraten und haben schließlich Verbindung zum lettischen Konsul in Leningrad aufgenommen, einem Agenten der deutsch-faschistischen Interventionisten.

  5. Um ihre Verbrechen vor der Partei zu verbergen und ihre Mitgliedsbücher der Partei zu behalten, die ihnen Zutritt zu allen Institutionen und allen Parteiführern verschaffen, wurden die Sinowjew-Leute Doppelzüngeler gegenüber der Partei und tarnen ihre Verbrechen durch Schwüre und Beteuerungen über ihre Treue zur Partei und ihrer Ergebenheit gegenüber der Sowjetmacht; sie sind also denselben Weg gegangen, den weißgardistische Saboteure, Spione und Provokateure beschreiten, wenn sie in unser Lager eindringen wollen, sich in unser Vertrauen einschleichen wollen und Unheil stiften wollen.

  6. Die mit Mitgliedsbüchern der Partei getarnte Doppelzüngelei erleichterte es den Sinowjew-Leuten, den Meuchelmord an Gen. Kirow vorzubereiten und auszuführen.

  7. Durch fehlende Wachsamkeit in der Leningrader Parteiorganisation, und vor allem durch die Unaufmerksamkeit in den Organen des Volkskommissariats für Innere Angelegenheiten in Leningrad, die fahrlässig die elementarsten Anforderungen des Personenschutzes vernachlässigten – die keinerlei ernsthafte Schutzmaßnahmen ergriffen, obwohl sie bereits einen Monat vor der Ermordung des Gen. Kirow von verschiedenen Seiten über die Vorbereitung eines Attentats auf Gen. Kirow informiert worden waren –, wurde es der Partei und der Regierung unmöglich, den Meuchelmord zu verhindern.

Das sind die Tatsachen die unbestreitbar sind, die ermittelt wurden durch die Untersuchung und das Gerichtsverfahren.

II

POLITISCHE EINSCHÄTZUNG

Wie konnte es passieren, daß die Partei die Existenz der weitverzweigten konterrevolutionären Sinowjew-Gruppe nicht bemerkte und die Leningrader Parteiorganisation und vor allem die Leningrader Organe des Volkskommissariats für Innere Angelegenheiten die konterrevolutionäre, terroristische "Arbeit" des "Leningrader Zentrums" nicht nur übersehen hatten, sondern auch keine nötigen Schutzmaßnahmen ergriffen haben, selbst nachdem sie von verschiedenen Personen Hinweise auf die Vorbereitung eines Attentats auf Gen. Kirow erhielten?

Es muß berücksichtigt werden, daß die konterrevolutionäre Sinowjew-Gruppe etwas völlig Neues darstellt, in der Form, wie sie in der Untersuchung und im Gerichtsverfahren zutage getreten ist. In der Geschichte unserer Partei gibt es keinen Präzedenzfall dafür. In der Geschichte unserer Partei hat es nicht wenig Fraktionen gegeben. Diese Gruppen haben gewöhnlich das Ziel verfolgt, ihre Ansichten der Parteilinie entgegenzustellen und sie öffentlich vor der Partei zu verteidigen. Die Geschichte unserer Partei kennt aber keine einzige Gruppe, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, ihre Ansichten zu verheimlichen und ihre Politik zu verbergen, die Treue zur Parteilinie heuchelte und gleichzeitig Anschläge auf Parteiführer vorbereitet hat. Die Sinowjew-Gruppe ist die einzige Gruppe in der Geschichte unserer Partei, die Doppelzüngelei zu ihrem Gebot gemacht hat und in den Sumpf des konterrevolutionären Terrorismus abgerutscht ist, wobei sie ihre Taten dadurch tarnte, daß sie in der Presse und auf dem Parteitag immer wieder ihre Treue zur Partei beteuerte. Die Partei und ihre Führung konnte nicht ahnen, daß langjährige Parteimitglieder wie Sinowjew, Kamenew, Jewdokimow und Bakajew so tief sinken könnten und am Ende mit dem weißgardistischen Pack gemeinsame Sache machen würden.

Was die Leningrader Parteiorganisation betrifft und besonders die Organe des Volkskommissariats für Innere Angelegenheiten, so waren diese an manchen Orten in Fragen der Sicherheit von einer Gutmütigkeit und Nachlässigkeit, die für einen Bolschewiken nicht statthaft ist, wobei sie von dem Irrtum ausgingen, mit unseren wachsenden Erfolgen, mit dem damit verbundenen fortschreitenden Mißerfolg unserer Feinde, würden unsere Feinde immer zahmer und ungefährlicher und es gäbe deshalb keinen Grund für die Sorge, daß unsere Feinde, die ihre letzten Tage erleben, könnten als "letztes Mittel" zum Terror greifen.

Die Partei sagt schon lange, je stärker die UdSSR wird und je hoffnungsloser die Lage ihrer Feinde ist, können diese Feinde wegen ihrer aussichtslosen Lage in den Sumpf des Terrors gleiten und daß es deshalb nötig ist, die Wachsamkeit unserer Menschen zu erhöhen. Doch diese Erkenntnis ist für einige unserer Leningrader Genossen offensichtlich ein Buch mit sieben Siegeln geblieben.

Wie anders läßt sich die Tatsache erklären, daß es die Organe des Volkskommissariats für Innere Angelegenheiten in Leningrad für überflüssig hielten, die erforderlichen Schutzmaßnahmen zu treffen, trotz der Warnungen mehrerer Genossen über die Vorbereitung eines Attentats auf Gen. Kirow?

Wie anders läßt sich die Tatsache erklären, daß der Mörder des Genossen Kirow, das Scheusal L. Nikolajew, der drei Wochen vor dem Mord in der Nähe von Kirows Wagen festgehalten wurde, nicht einmal durchsucht wurde, weil er den Tschekisten ein Mitgliedsbuch der Partei vorwies? Ist es denn für einen Tschekisten so schwer zu begreifen, daß man ein Mitgliedsbuch der Partei fälschen oder stehlen kann, daß ein Mitgliedsbuch der Partei keine Garantie sein kann, wenn nicht seine Echtheit geprüft und sein Inhaber überprüft wurde, noch dazu, wenn man es mit einer verdächtigen Person zu tun hat, einer Person, die sich mehr als verdächtig verhielt, als Gen. Kirow sich dem wartenden Auto näherte? Wo ist da die Wachsamkeit geblieben?

Es mag eigenartig erscheinen und gegen die Natur, daß Mitglieder unserer Partei, die Mitglieder der Sinowjew-Gruppe, als Vollstrecker des Terrors auftreten, der das letzte Mittel des Kampfes der sterbenden bürgerlichen Klassen gegen die Sowjetmacht ist. Doch wenn man dies näher betrachtet, so versteht man leicht, daß nichts Eigenartiges darin liegt nichts Unnatürliches. In einer so riesigen Partei wie unserer können sich einige Dutzend und einige Hundert Ausgeburten leicht verbergen, die mit der Partei Lenins gebrochen haben und faktisch zu Helfershelfern der Weißgardisten geworden sind.

War Malinowski denn kein Spitzel, der aus der Arbeiterklasse hervorgegangen ist und 1913 Mitglied der bolschewistischen Fraktion in der Duma war? Und was ist ein "bolschewistischer" Spitzel denn anderes als eine Ausgeburt unserer Partei und ein Verräter unserer bolschewistischen Partei? Und Malinowski war nicht der einzige Spitzel in unserer Partei.

Haben sich Sinowjew und Kamenew, die früher Schüler und enge Mitarbeiter Lenins waren, nicht wie Ausgeburten, nicht wie Verräter unserer Partei aufgeführt, als sie vor und nach dem Aufstand im Oktober 1917 offen und direkt gegen ihren Lehrer Lenin und dessen Partei auftraten, vor der Bourgeoisie? Wie soll man diesen Verrat anders nennen als das Verhalten von Ausgeburten und Feinden unserer Partei? Und Sinowjew und Kamenew waren nicht die einzigen Mitglieder unserer Partei, die die Bezeichnung Ausgeburten und Feinde unserer Partei verdient haben.

Es wurde festgestellt, daß Anatoli Rumjanzew, der Bruder des nicht unbekannten Wladimir Rumjanzew – einer der Pfeiler der Leningrader Sinowjew-Leute, er wurde in Leningrad erschossen – 1919 während des Angriffs von General Judenitsch auf Leningrad zu dessen Truppen übergelaufen war, dort gefangene Kommunisten erschoß, weißgardistische Truppen gegen die Rote Armee auf Leningrad befehligte und wo er konnte weiteres Unheil stiftete. Als er 1920 nach Leningrad zurückkam, nach der Zertrümmerung Judenitschs, und in unsere Partei aufgenommen werden wollte, da hat ihn sein Bruder Wladimir Rumjanzew, ein Mitglied unserer Partei, ein Mitglied der Sinowjew-Gruppe, nicht etwa vor der Partei als Weißgardist entlarvt und als Feind der Arbeiterklasse, sondern ihm im Gegenteil mit seiner ganzen Autorität geholfen, Mitglied der Partei zu werden. Man fragt sich: Gibt es einen großen Unterschied zwischen dem vernagelten Weißgardisten Anatoli Rumjanzew und seinem Bruder Wladimir Rumjanzew, ein Mitglied unserer Partei, einem der Führer der Sinowjew-Gruppe in Leningrad, die den Meuchelmord an Gen. Kirow organisiert hat? Ist es nicht klar, daß Wladimir Rumjanzew, der seinen Bruder, den Weißgardisten, gedeckt und durch Betrug in die Partei gebracht hat, selbst schon lange vor dem Mord an Gen. Kirow zu einem Weißgardisten wurde und zu einem Feind unserer Partei?

Man stellte fest, daß Pjotr Nikolajew, der Bruder Leonid Nikolajews, des Mörders von Gen. Kirow, der auch Mitglied der Sinowjew-Gruppe in Leningrad war, die Ausgeburt eines Weißgardisten war. Er desertierte zweimal aus der Roten Armee, lebte illegal in Leningrad, verkehrte dort mit Weißgardisten und war mit einem Revolver in der Hand auf der Suche nach einer Gelegenheit, irgendeinen verantwortlichen Funktionär der Partei zu ermorden, um dann über die Grenze zu fliehen und sich so der strafenden Hand der Sowjetmacht zu entziehen. Und Leonid Nikolajew, das Mitglied der Partei und der Sinowjew-Gruppe, hat ihm nicht etwa vor den Organen der Sowjetmacht die Maske abgerissen, sondern hat ihn in seiner Wohnung versteckt, ihm einen Revolver verschafft und ihm einen Paß versprochen, für den Fall einer Flucht ins Ausland. Ist es nicht klar, daß es zwischen dem offenkundigen Weißgardisten Pjotr Nikolajew und seinem Bruder Leonid Nikolajew, dem Mitglied der Sinowjew-Gruppe in Leningrad und späteren Mörder von Gen. Kirow, keinen Unterschied mehr gibt und daß Leonid Nikolajew schon lange vor dem Mord an Gen. Kirow ein Feind der Partei war und ein Weißgardist reinsten Wassers?

Ist es da ein Wunder oder unnatürlich, wenn gerade W. Rumjanzew und L. Nikolajew, diese Ausgeburten aus unserer Partei, zu Vollstreckern des konterrevolutionären Verlangens des Packs der Weißgardisten wurden, die ihre reiche Erfahrung haben, im Betrügen der Partei und im Verbergen ihrer weißgardistischen Verwandten vor der strafenden Hand der Sowjetmacht?

Es ist kein Zufall, daß Ausgeburten wie W. Rumjanzew und L. Nikolajew in schöner Eintracht mit ihren Freunden, ebensolchen Ausgeburten wie Kotolynow und Schazki, sich gerade in der Sinowjew-Gruppe zuhause fühlten. Nur die Sinowjew-Gruppe mit ihrem Haß auf die Parteiführung, mit ihrem Verrat und ihrer Doppelzüngelei vor der Partei, mit ihrer politischen Prinzipienlosigkeit, mit ihrer Bereitschaft, alle Mittel und alle Tricks anzuwenden, nur eine solche kleinbürgerliche konterrevolutionäre Gruppe konnte solche Ausgeburten wie Rumjanzew, Nikolajew, Kotolynow und Schazki zu den "ihren" zählen, nur eine so niederträchtige Gruppe konnte für diese Ausgeburten die "passende" Ideologie zusammenbasteln, die als "Rechtfertigung" ihrer weißgardistischen Taten dienen kann.

Denn: was ist die parteifeindliche Sinowjew-Gruppe, nachdem ihr wahres Gesicht durch das Material der Untersuchung und des Gerichtsverfahrens endgültig sichtbar wurde?

Der Leninismus fordert, daß die Mitglieder treue Söhne ihrer Partei sind und ihr völlig ergeben. Aber die Sinowjew-Leute haben dies durch Verrat ersetzt, Verrat gegenüber der Partei und gegenüber den Interessen der Partei, und haben sich hinter Erklärungen wie hinter einer Maske versteckt, über ihre angebliche Treue und Ergebenheit gegenüber der Partei.

Der Leninismus fordert, daß die Mitglieder der Partei fest in ihren politischen Prinzipien sind und ehrlich gegenüber der Partei. Bei den Sinowjew-Leuten aber wurden ihre Erklärungen über Prinzipienfestigkeit und Ehrlichkeit gegenüber der Partei zu einer Maske, die ihre eigene politische Prinzipienlosigkeit und Doppelzüngelei verdecken soll, ihre Heuchelei und ihren Verrat gegenüber der Partei..

Der Leninismus vertritt die Ansicht, die Minderheit soll nicht versuchen, der Mehrheit der Partei ihren Willen aufzuzwingen, die Minderheit muß sich unbedingt der Mehrheit unterordnen, denn dies ist die Grundlage des demokratischen Zentralismus. Die Sinowjew-Leute jedoch gehen davon aus, daß die Minderheit das Recht hat, der Mehrheit der Partei ihren Willen aufzuzwingen, auch durch Gewalt oder Terror. Dies bezeichnen sie als innerparteiliche Demokratie!

Der Leninismus spricht sich gegen individuellen Terror aus. Die Sinowjew-Leute aber sind der Ansicht, der individuelle Terror sei in bezug auf Funktionäre der Partei sehr wohl anwendbar, auch wenn er im Kampf gegen die Bourgeoisie abgelehnt wird.

Das sind einige besonders in Auge fallende Züge der antisowjetischen Sinowjew-Gruppe.

Ist es nicht klar, nur eine so niederträchtige Gruppe konnte Ausgeburten wie Nikolajew, Rumjanzew, Kotolynow und Schazki beherbergen, "erziehen" und völlig verderben?

Ist es nicht klar, nur "Zöglinge" dieser niederträchtigen Gruppe das geeignetste Instrument zur Befriedigung des terroristischen Verlangens der konterrevolutionären Bourgeoisie und faschistisch-weißgardistischen Agenten sein konnten, noch dazu mit Mitgliedsbüchern, die ihnen Zugang zu allen Parteiinstitutionen verschafften,?

III

SCHLUSSFOLGERUNGEN

Aus dem oben gesagten ergeben sich folgende zentrale Schlußfolgerungen:

  1. Die parteifeindliche Sinowjew-Gruppe ist die einzige Gruppe in der Geschichte unserer Partei, die in ihrer Praxis Doppelzüngelei zu einem Prinzip werden ließ. Die Geschichte unserer Partei kennt nicht wenige Fraktionen. Der Unterschied zu diesen bestand darin, daß diese ihre Meinungsverschiedenheit mit der Partei, ihre Ansichten nicht verbargen und sie offen vor der Partei verteidigten. Erst in den letzten sieben bis acht Jahren, als der politische Sieg der Partei unübersehbar wurde, die Richtigkeit der Linie der Partei und damit die Hoffnungslosigkeit des Standpunkts aller parteifeindlichen Gruppen, begannen die Überreste der alten Fraktionen ihre Ansichten zu tarnen und beschritten zum Teil den Weg der Doppelzüngelei. Die Sinowjew-Gruppe ist die einzige Gruppe, die ihre Meinungsverschiedenheiten mit der Partei nicht nur verbirgt, sondern, um Vertrauen zu gewinnen und die Partei zu betrügen, ihre eigene Plattform öffentlich angeprangert und der Partei die Treue geschworen hat. Die Tatsache, daß der gemeine Mörder Nikolajew, der Verräter, der Judas, ein Mitglied der Partei war, wie auch Personen, die ihn zu diesem ungeheuerlichen Verbrechen anstifteten, sich nicht nur hinter dem Parteibuch versteckten, sondern auch offen einen Treuebeschwur zur Partei und zum ZK ablegten, diese Tatsache beweist unwiderlegbar, Doppelzüngelei war der einzige Glauben, den die Sinowjew-Gruppe anerkannte und dem sie folgte.

  2. Die Fraktion der Sinowjew-Gruppe war die verräterischste und verachtungswürdigste von allen Fraktionen in der Geschichte unserer Partei.

  3. Die Sinowjew-Fraktion ist die einzige Gruppe in der Geschichte unserer Partei, die es für möglich hielt, mit Terrorismus gegen die Partei zu kämpfen und gegen die Führung der Partei. Die Geschichte unserer Partei kennt nicht wenig Fraktionen. Im Kampf dieser Gruppierungen gegen die Linie der Partei wie auch im Kampf der Partei gegen diese Gruppierungen wurden üblicherweise folgende Mittel angewandt: Formulierung der Meinungsverschiedenheiten, Klärung der Meinungsverschiedenheiten, Diskussion innerhalb der Führung der Partei unter Ausschluß der Öffentlichkeit, offene Diskussion in der Presse und auf Parteiversammlungen, Abstimmung und Auszählung der Stimmen, Unterordnung der Minderheit unter die Mehrheit und der Ausschluß derjenigen aus der Partei, die sich nicht der Mehrheit unterordneten, und der unverbesserlichen Anhänger der Fraktion, welche die Disziplin verletzt und die Einheit der Partei gefährdet haben. Die Geschichte unserer Partei kennt kein einziges Beispiel, daß Fraktionen versucht hätten Terrorismus anzuwenden. Die Geschichte unserer Partei kennt kein einziges Beispiel, daß eine in der Minderheit gebliebene Gruppierung versucht hätte, der Mehrheit der Partei durch Gewalt und durch Terror ihren Willen aufzuzwingen und terroristische Anschläge auf Vertreter der Mehrheit der Partei zu versuchen. Die Sinowjew-Fraktion ist in der Geschichte unserer Partei die einzige Gruppe in den verachtungswürdigen Weißgardismus abgeglitten ist, nachdem sie mit ihren Kräften am Ende war und jede Unterstützung der Masse der Parteimitglieder verloren hatte.

  4. Die Sinowjew-Fraktion war praktisch eine maskierte weißgardistische Organisation, die es verdient, daß mit ihren Mitgliedern umgegangen wird wie mit Weißgardisten.

  5. Unter den jetzigen Bedingungen des vollständigen und entscheidenden Sieges der Politik der Partei, wo der öffentliche Kampf gegen die Politik der Partei aussichtslos geworden ist, kann Doppelzüngelei feindliche Elemente innerhalb der Partei nur vertuschen und unterstützen. Die Aufgabe besteht darin, dieses Übel mit der Wurzel auszureißen und auszurotten. Ein Doppelzüngler betrügt nicht nur die Partei. Ein Doppelzüngler ist gleichzeitig auch ein Spion unserer Feinde, deren Saboteur, deren Spitzel, der durch Betrug in unsere Partei eingedrungen ist und das Fundament unserer Partei und damit auch unseres Staates zu untergraben versucht. Die Macht unserer Partei, der Regierungspartei, zu untergraben, heißt, die Macht unseres Staates zu untergraben. Daher kann man sich bei einem solchen Doppelzüngler nicht beschränken auf Ausschluß aus der Partei; er muß verhaftet werden und isoliert, um ihn daran zu hindern, die Macht des Staates der Diktatur des Proletariates zu untergraben.

  6. Man muß mit der opportunistischen Gutgläubigkeit Schluß machen, die von der falschen Annahme ausgeht, der Feind werde mit dem wachsen unserer Kräfte immer zahmer und ungefährlicher wird. Eine solche Annahme ist völlig falsch. Eins solche Annahme ist ein Überbleibsel der rechten Abweichungen, die alle davon überzeugen wollten, daß die Feinde langsam in den Sozialismus hineinwachsen, bis sie schließlich zu wahren Sozialisten würden. Die Sache der Bolschewiki ist es nicht, sich auf Lorbeeren auszuruhen und Maulaffen feilzuhalten. Wir brauchen keine Gutgläubigkeit, sondern Wachsamkeit, richtige bolschewistische revolutionäre Wachsamkeit. Es muß uns bewußt sein: je aussichtsloser die Lage der Feinde ist, umso eher werden sie zum "äußersten Mittel" greifen, dem einzigen Mittel im Kampf gegen die Sowjetmacht der dem Untergang Geweihten. Man muß sich dessen bewußt und wachsam sein. Die Ereignisse im Zusammenhang mit dem Mord an Gen. Kirow zeigen, das Nichterkennen dieser Wahrheit haben die Mitarbeiter des Volkskommissariats für Innere Angelegenheiten teuer bezahlen müssen. Dies soll uns eine Lehre sein. Natürlich sollte man die Leningrader Mitarbeiter des Volkskommissariats für Innere Angelegenheiten nicht ohne Unterschiede tadeln. Man muß sie zweifellos in personeller Hinsicht und auch durch Ratschläge systematisch unterstützen, ihre Wachsamkeit schärfen und ihre Kampfbereitschaft verbessern und festigen. Denn Leningrad ist die einzige Stadt, in der es noch die meisten ehemaligen zaristischen Beamten und Gesinde gibt, ehemalige zaristische Polizisten, die sich überall ausbreiten und unseren Apparat zersetzen und verderben und wo es die Nähe zur Grenze leicht möglich macht, sich Verfolgungen zu entziehen. Sie verleiht verbrecherischen Elementen das Gefühl, straffrei ausgehen zu können, und darum ist die bolschewistische Wachsamkeit der Leitstern, der vor allem und insbesondere den Leningrader Mitarbeitern den Weg erhellen soll.

  7. Der Unterricht in der Geschichte der Partei muß für die Mitglieder der Partei auf die erforderliche Höhe gehoben werden, ebenso das Studium aller parteifeindlichen Gruppen in der Geschichte unserer Partei, ihre Kampfmethoden gegen die Parteilinie, ihre Taktik und – noch mehr – die Taktik und Methoden der Partei im Kampf gegen die parteifeindlichen Gruppen, die Taktik und Methoden, die es unserer Partei möglich machten, diese Gruppen zu bekämpfen und zu zerschlagen. Die Mitglieder der Partei sollen nicht nur wissen, wie die Partei gekämpft hat, wie sie mit den Kadetten fertig geworden ist, mit den Sozialrevolutionären, den Menschewiki und den Anarchisten, sondern auch wie die Partei mit den Trotzkisten gekämpft hat, den "demokratischen Zentralisten", der "Arbeiteropposition", den Sinowjew-Leuten, den Rechtsabweichlern, den rechts- und linkssektiererischen Ausgeburten und so weiter fertig wurde. Es darf nicht vergessen werden, das Kennen und Verstehen der Geschichte unserer Partei ist das wichtigste Mittel für die Gewährleistung der revolutionären Wachsamkeit der Mitglieder der Partei.

Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (Bolschewiki)

Stalin Brief 1935 - Lehren aus dem Mord an Kirow: Ende

 

Stalin Brief 1936 - Lehren aus dem Mord an Kirow

Interner Brief des ZK der KPdSU, Juli 1936, nachdem sich Sinowjew und Kamenew im Gefängnis bereit erklärt haben, alles auszusagen, was von ihnen verlangt wird. Stalin erweitert den Terror.

Lehren aus dem Mord an Kirow

Über die terroristische Tätigkeit des trotzkistisch-sinowjewistischen konterrevolutionären Blocks

An die Komitees der Gebiete und Regionen, die Zentralkomitees der nationalen kommunistischen Parteien, die Komitees der Städte und Rayone der KPdSU(B)

Am 18. Januar 1935 richtete das ZK der KPdSU(B) einen internen Brief an alle Organisationen der Partei über die Lehren aus den Ereignissen im Zusammenhang mit dem Meuchelmord am Genossen Kirow.

In diesem Brief wurde erklärt, wie dies Gericht und Voruntersuchung festgestellt haben, der Meuchelmord an Sergei Mironowitsch Kirow wurde von der Leningrader Gruppe der Sinowjew-Leute begangen, die sich "Leningrader Zentrum" nannten. In diesem Brief hieß es weiter: "Das "Leningrader Zentrum" wurde ideologisch beeinflußt vom "Moskauer Zentrum" der Sinowjew-Leute, das offensichtlich nichts von der Vorbereitung des Mordes an Gen. Kirow wußte, das aber mit Sicherheit von der terroristischen Stimmung des "Leningrader Zentrums" wußte und diese Stimmung schürte." Wie bekannt haben damals Sinowjew und Kamenew nur ihre Schuld zugegen, was das Schüren einer terroristischen Stimmung betrifft, und lediglich eine moralische und politische Verantwortung für den Mord an S. M. Kirow auf sich genommen.

Wie sich jetzt aber herausstellt, wurden bei der Untersuchung des Mordes an S. M. Kirow vor eineinhalb Jahren nicht alle Tatsachen der hinterhältigen konterrevolutionären weißgardistischen und terroristischen Tätigkeit der Sinowjew-Leute aufgedeckt, wie auch die Rolle der Trotzkisten nicht völlig geklärt ist, bei der Ermordung des Genossen Kirow. Auf der Basis neuer Materialien des NKWD, die 1936 gefunden wurden, kann als sicher gelten, Sinowjew und Kamenew waren nicht nur Inspirator der terroristischen Taten gegen die Führer unserer Partei und unserer Regierung, sondern von ihnen gingen auch direkte Weisungen aus, sowohl zum Mord an S. M. Kirow als auch zur Vorbereitung von Attentaten auf andere Führer unserer Partei, in erster Linie auf Genossen Stalin.

Genauso gilt jetzt auch als sicher, die Sinowjew-Leute haben ihre terroristischen Aktionen durchgeführt in einem Block mit Trotzki und den Trotzkisten.

Das ZK der KPdSU(B) hält es für notwendig, in diesem Zusammenhang die Parteiorganisationen zu informieren über neue Tatsachen der terroristischen Tätigkeit der Trotzkisten und Sinowjew-Leute.

Was sind die Tatsachen, die in letzter Zeit aufgedeckt wurden?

I.

TATSACHEN

  1. Nach dem Mord an S. M. Kirow haben die Organe des NKWD im Verlaufe des Jahres 1936 Terroristengruppen der Trotzkisten und Sinowjew-Leute in Moskau, Leningrad, Gorki, Minsk, Kiew, Baku und in anderen Orten aufgedeckt.

  2. Die meisten Mitglieder dieser Terroristengruppen gestanden während der Ermittlungen, sich als wichtigste Aufgabe die Vorbereitung von Anschlägen auf Führer von Partei und Regierung gestellt zu haben.

  3. Die entlarvten Gruppen aus Trotzkisten und Sinowjew-Leuten wurden geleitet vom Block der Trotzkisten und Sinowjew-Leute, sowie deren gesamte terroristische Tätigkeit in der UdSSR

  4. Der Block der trotzkistischen-sinowjewistischen-kamenewistischen Gruppe entstand Ende 1932 nach Absprachen zwischen den Anführern der konterrevolutionären Gruppen, in deren Ergebnis ein vereinigtes Zentrum gebildet wurde, dem Sinowjew angehörte und von seinen Anhängern Kamenew, Bakajew, Jewdokimow und Kuklin sowie von den Trotzkisten I. N. Smirnow, Mratschkowski und Ter-Waganjan.

    Die entscheidende Voraussetzung für die Vereinigung der beiden konterrevolutionären Gruppen war die Anerkennung des Terrors von beiden Seiten gegen die Führer von Partei und Regierung als einziges und entscheidendes Mittel, um an die Macht zu kommen.

    Seit dieser Zeit, also seit Ende 1932, konzentrierten die Trotzkisten und Sinowjew-Leute ihre gesamte feindliche Tätigkeit gegen die Partei und gegen die Regierung hauptsächlich auf die Vorbereitung und Organisierung des Terrors gegen die höchsten Führer der Partei, in erster Linie gegen den Genossen Stalin.

    Die Tatsachen für die terroristische Tätigkeit der enttarnten trotzkistischen und sinowjewistischen konterrevolutionären Gruppen sind so unwiderlegbar, daß sie selbst die Führer dieser terroristischen Gruppen veranlaßt haben, alle ihre weißgardistischen Untaten vollständig zuzugeben.

    So gestand zum Beispiel der im Zusammenhang mit den enttarnten Gruppen der Terroristen verhörte Sinowjew während der Untersuchung vom 23. bis 25. Juli 1936 dieses:

    "Ich war wirklich Mitglied des vereinigten trotzkistisch-sinowjewistischen Zentrums, das im Jahre 1932 aufgebaut wurde.

    Das trotzkistisch-sinowjewistische Zentrum stellte sich als wichtigste Aufgabe die Ermordung der Führer der KPdSU(B), an erster Stelle die Ermordung von Stalin und Kirow. Über die Mitglieder des Zentrums I. N. Smirnow und Mratschkowski nahm das Zentrum die Verbindung zu Trotzki auf, von dem Smirnow direkt Anweisungen zur Vorbereitung des Mordes an Stalin erhielt."

    (G. Sinowjew. Protokoll des Verhörs vom 23. bis 25. Juli 1936)

    Ein anderes Mitglied der konterrevolutionären sinowjewistischen Gruppe, Kamenew, erzählte ausführlich über die Organisation des trotzkistischen-sinowjewistischen Blocks und über das Vorhaben des Zentrums. Während des Verhörs am 23. Juli 1936 sagte er folgendes aus:

    "... wir, das heißt, das sinowjewistische Zentrum der konterrevolutionären Organisation, dessen Mitglieder ich bereits genannt habe, und die trotzkistische konterrevolutionäre Organisation in Gestalt von Smirnow, Mratschkowski und Ter-Waganjan kamen 1932 überein, beide konterrevolutionäre Organisationen zu vereinigen, die sinowjewistische und die trotzkistische, um Anschläge gegen Führer des ZK zu verüben, vor allem gegen Stalin und Kirow.

    Der Kern liegt darin, daß Sinowjew und wir, also ich – Kamenew – Jewdokimow, Bakajew und die trotzkistischen Führer Smirnow, Mratschkowksi und Ter-Waganjan im Jahre 1932 zu der Schlußfolgerung kamen, das einzige Mittel, mit dessen Unterstützung wir auf die Ergreifung der Macht hoffen können, ist die Organisierung und Durchführung von Anschlägen gegen die Führer der KPdSU(B), vor allem gegen Stalin.

    Auf dieser Grundlage des Terrorismus gegen die Führer der KPdSU(B) wurden die Verhandlungen zur Vereinigung zwischen uns und den Trotzkisten geführt."

    (L. Kamenew. Protokoll des Verhörs vom 23. bis 24. Juli 1936)

    Auf die Frage, ob die Verhandlungen zwischen der sinowjewistischen-kamenewistischen Gruppe und der trotzkistischen Gruppe 1932 zu einem Ergebnis führten, sagte Kamenew während der Untersuchung:

    "Wir führten die Verhandlungen mit den Trotzkisten über die Vereinigung der trotzkistischen und sinowjewistischen konterrevolutionären Organisation zu einem Ende. Zwischen uns, dem sinowjewistischen Zentrum in Form von Sinowjew, Kamenew, Jewdokimow, Bakajew und Kuklin sowie dem trotzkistischen Zentrum in Form von Smirnow, Mratschkowski und Ter-Waganjan wurde, wie ich bereits aussagte, ein gemeinsamer Block geschlossen, um mit Hilfe von Terrer gegen die KPdSU(B) zu kämpfen und gegen die Führer der KPdSU(B)."

    (L. Kamenew. Protokoll des Verhörs vom 23. bis 24. Juli 1936)

    Sinowjew und Kamenew waren also bei der Vereinigung zusammen mit Trotzki einer Meinung, die Hauptsache bestehe darin, sich eine Meinung über das Neue zu bilden, durch die sich der von ihnen gebildete neue Block vom vorhergehenden unterschied. Dieses Neue bestand nach den Aussagen der Sinowjew-Leute L. Kamenew, I. I. Reinhold, R. W. Pikel, I. P. Bakajew und nach den Aussagen der Trotzkisten S. W. Mratschkowski, J. A. Dreizer und weiterer darin, den Nutzen verübter Terrorakte gegen die Führung von Partei und Regierung anzuerkennen.

    Mit dieser Position von Sinowjew und Kamenew war Trotzki nicht nur einverstanden, er betrachtete von seiner Seite die Anerkennung des Nutzens des Terrors gegen die Führer unserer Partei und Regierung durch beide Gruppen sogar als Bedingung für die Vereinigung der Trotzkisten und Sinowjew-Leute.

    Über die Ansicht Trotzkis zur Gründung des vereinigten trotzkistisch-sinowjewistischen Blocks und die Bedingungen für diese Vereinigung sagte S. W. Mratschkowski, der bekannte Trotzkist und einer der engsten Vertrauten Trotzkis, während der Untersuchung folgendes aus:

    "Mitte 1932 forderte I. N. Smirnow unsere Führungstroika auf, unsere Gruppe mit den Gruppen Sinowjew-Kamenew und Schazki-Lominadse zu vereinigen. Sofort wurde beschlossen, Trotzki dazu zu befragen und neue Weisungen von ihm zu holen. Trotzki gab seine Zustimmung für die Gründung des Blocks unter der Bedingung, daß die zum Block vereinigende Gruppen die Notwendigkeit akzeptiert, der gewaltsamen Beseitigung der Führer der KPdSU(B), an erster Stelle Stalins."

    (Mratschkowski, Protokoll des Verhörs vom 19. bis 20. Juli 1936)

    Auch alle anderen bekannten Trotzkisten und Sinowjew-Leute in Haft, wie etwa Bakajew, Reinhold, Safonowa, Pikel, Dreizer und andere sagten aus, die Trotzkisten und Sinowjew-Leute machten sich den Terror zur Hauptaufgabe, gegen die Führer der KPdSU(B) und der Regierung.

    Es ist also eine nicht zu widerlegende Tatsache, die Trotzkisten und Sinowjew-Leute schlossen sich bereits vor einigen Jahren zu der Plattform zusammen, zum individuellen weißgardistischen Terror gegen die Führer der Partei und der Sowjetregierung und haben Methoden angewandt, derer sich bisher nur die erbitterten Reste weißgardistischer Emigranten bedienten, die in Terrororganisationen organisiert sind, wie der "ROWS", dem "Bund russischer Faschisten", dem "Faschistischen Jugendbund" usw.

  5. Sergej Mironowitsch Kirow wurde ermordet, auf Beschluß des vereinigten Zentrums des trotzkistisch-sinowjewistischen Blocks. Die gesamte Organisisation des Anschlags wurde dem Mitglied des vereinigten Zentrums Bakajew übertragen. Zu seiner Unterstützung gab das Zentrum den in Leningrad tätigen bekannten Sinowjew-Anhänger Karew hinzu, der enge persönliche Verbindungen zu Sinowjew hatte.

  6. Als Folge des Beschlusses des vereinigten Zentrums wurden in Leningrad einige trotzkistische und sinowjewistische Terrorgruppen organisiert, darunter die Gruppe von Rumjanzew, Katalynow und Nikolajew, die den Mord an Kirow verübte.

    Daß der Mord an Kirow auf Beschluß des vereinigten trotzkistisch-sinowjewistischen Zentrums verübt wurde, sagten während der Untersuchung die meisten der aktiven Mitglieder der Terrorgruppen aus, darunter Sinowjew, Kamenew, Bakajew, Karew u.a.

    So sagte Sinowjew in der Untersuchung zum Beispiel folgendes aus:

    "Auch gebe ich zu, die Mitglieder der Organisation Bakajew und Karew beauftragt zu haben, im Namen des vereinigten Zentrums Anschläge gegen Stalin in Moskau und gegen Kirow in Leningrad zu organisieren.

    Diesen Auftrag habe ich im Herbst 1932 in Iljinsk erteilt."

    (Sinowjew. Verhörprotokoll vom 23. bis 25. Juli 1936)

    Ein anderer Führer des vereinigten Blocks, Kamenew, antwortete folgendes, auf die Frage des Untersuchungsleiters, ob er von dem Beschluß des Zentrums gewußt habe, die Genossen Stalin und S. M. Kirow zu ermorden:

    "Ja, ich muß gestehen, Sinowjew erzählte mir noch vor der Beratung in Ijinsk, daß Beschlüsse des Zentrums des trotzkistisch-sinowjewistischen Blocks zu erwarten seinen über die Vorbereitung von Terrorakten gegen Stalin und Kirow. Dabei erklärte er mir, daß die Vertreter der Trotzkisten im Zentrum des Blocks Smirnow, Mratschkowski und Ter-Waganjan unbedingt auf diesem Beschluß beharren würden. Sie hätten dazu eine Weisung unmittelbar von Trotzki erhalten und forderten, zur Durchsetzung der Prinzipien, die dem Block zugrunde liegen, zur tatsächlichen Verwirklichung dieser Maßnahme überzugehen."

    Und weiter:

    "Ich unterstütze diesen Beschluß, weil ich ihn voll und ganz teilte."

    (Kamenew. Verhörprotokoll vom 23. bis 24. Juli 1936)

    N. A. Karew, der Helfer Bakajews für die Organisierung des Attentates auf Kirow in Leningrad, bestätigte in der Untersuchung, diesen Auftrag vom vereinigten Zentrum erhalten zu haben. Er sagte aus, von Sinowjew folgenden Auftrag erhalten zu haben, Mitte August 1932 auf der Datscha Sinowjews in Iljinsk als Teilnehmer der dort stattfindenden Beratung:

    "Sinowjew erzählte, daß auf dem Fundament der Anerkennung des Terrors als wichtigstes Mittel des Kampfes gegen die bestehende Parteiführung das sinowjewistische Zentrum Kontakt aufgenommen habe zu den Führern der trotzkistischen Organisation in der Sowjetunion Iwan Nikititsch Smirnow und Mratschkowski und ein Beschluß des vereinigten trotzkistisch-sinowjewistischen Zentrums gefaßt worden sei, über die Organisierung von Attentaten gegen Stalin in Moskau und Kirow in Leningrad. Sinowjew sagte, daß die Vorbereitung der Attentate gegen Stalin und Kirow an Bakajew übertragen wurde, der dafür seine Verbindungen zu den sinowjewistischen Gruppen in Leningrad und Moskau nutzen solle.

    Sinowjew schlug mir auch vor, unter den Mitgliedern, die der von mir in der Akademie der Wissenschaften in Leningrad geleiteten Organisation nahestanden, die auszusuchen, die in der Lage wären, einen Anschlag auf Kirow zu verüben."

    (N. A. Karew. Verhörprotokoll vom 5. Juni 1936)

    Weiter erzählte er, ebenfalls in Iljinsk im Gespräch mit Bakajew  folgendes erfahren zu haben:

    "... im Gespräch mit Bakajew erfuhr ich, daß er die Absicht hatte, für die Organisierung des Attentates auf Kirow die mit ihm, Bakajew, in Leningrad in Kontakt stehenden sinowjewistischen Gruppen von Rumjanzew und Katalynow zu nutzen."

    Der entscheidendste Organisator des Attentats, Bakajew, gab ebenfalls zu, vom Zentrum den Auftrag bekommen zu haben, für die Organisierung der Ermordung der Genossen Stalin und S. M. Kirow.

    Nach dem Beschluß des Zentrums begannen die Trotzkisten und Sinowjew-Leute eine rege Tätigkeit für die Organisierung des Anschlags auf Kirow. Im Juni 1934 fuhr Kamenew nach Leningrad, um das fortschreiten der organisatorischen Vorbereitung des Attentates auf Genossen Kirow zu kontrollieren. Kamenew setzte sich damals in Verbindung mit dem Führer einer der Terrorgruppen in Leningrad, M. N. Jakowlew, dem er im Namen des vereinigten Zentrums die Weisung gab, die Vorbereitung des Mordes an Kirow voranzutreiben. Auch Sinowjew unterstützte die Vorbereitungen für den Mord an Kirow auf jede Weise, während er den Mitgliedern der Terrorgruppen Zögern vorwarf und Unentschlossenheit.

    So sagte z.B. N. M. Motorin aus, das verhaftete Mitglied der Terrorgruppe und ein ehemaliger persönlicher Sekretär von Sinowjew, daß er im Herbst 1934 in Moskau war und dort Sinowjew aufsuchte, den er über die Vorbereitung des Attentates auf Kirow informierte, in der Variante, die Sinowjew über Bakajew angewiesen hatte:

    "Sinowjew wies mich an, die Vorbereitung des Anschlages mit allen Mitteln voranzutreiben. Bis zum Winter müsse Kirow ermordet sein. Er warf mir mangelnde Entschlossenheit vor und ungenügende Energie und erklärte, daß man in der Frage des terroristischen Kampfes Skrupel beiseite lassen muß."

    (N. M. Motorin. Verhörprotokoll vom 30. Juni 1936)

  7. Das vereinigte Zentrum des trotzkistisch-sinowjewistischen konterrevolutionären Blocks machte es sich zur wichtigsten Aufgabe, die Genossen Stalin, Woroschilow, Kaganowitsch, Kirow, Ordschonikidse, Schdanow, Kossior und Postyschew zu ermorden. Der Beschluß für den Mord an Genossen Stalin wurde zur gleichen Zeit gefaßt, mit dem Beschluß für den Mord am Genossen Kirow. Dazu wurden vom Moskauer Zentrum einige gut getarnte Terrorgruppen gebildet. Für die Koordinierung dieser Gruppen wurde vom trotzkistisch-sinowjewistischen Zentrum der gesamten Sowjetunion das Moskauer Zentrum geschaffen, dem folgende Sinowjew-Leute angehörten: Bakajew, Reinhold und Pikel sowie die Trotzkisten Mratschkowski und Dreizer. Die direkte Organisierung des Mordes an Genossen Stalin wurde an Bakajew übertragen. Dieser gab während der Untersuchung seine Rolle als direkter Organisator der Anschläge zu:

"Ich gebe zu, daß Sinowjew mir persönlich den Auftrag gab, in Moskau den Mord an Genossen Stalin zu organisieren."

Und weiter:

"Auf Anweisung von Sinowjew bezog ich die Anhänger Sinowjews Reinhold, Bogdan und Faiwilowitsch ein, die der Teilnahme zustimmten, in die Organisierung des Anschlages gegen Stalin.

Neben uns bereiteten I. N. Smirnow und S. W. Mratschkowski die Ermordung von Stalin vor, die direkt von Trotzki die Anweisung für den Anschlag erhalten hatten."

(Bakajew. Verhörprotokoll vom 17.-19. Juli 1936)

Das aktive Mitglied des sinowjewistischen Zentrums, der ehemalige Leiter von Sinowjews Sekretariat, R. W. Pikel, erzählte in der Untersuchung, daß Bakajew fieberhaft für die Organisierung des Anschlags arbeitete und dem Attentat seine ganze Energie opferte:

"Bakajew leitete nicht nur im allgemeinen die Vorbereitung des Anschlages, sondern stand persönlich auf Beobachtungspunkten, kontrollierte und prüfte die Beteiligten ... Im Sommer 1934 ging ich einmal zu Reinhold. Reinhold erzählte mir, die Beobachtung Stalins habe gute Ergebnisse gebracht und heute fahre eine Gruppe Terroristen im Auto, um Stalin zu ermorden. Reinhold war nervös, da sie lange nicht zurückkehrten. Am gleichen Abend sah ich Reinhold wieder. Er erzählte mir, die Ausführung des Anschlages sei vom Personenschutz Stalins verhindert worden, der, wie er sich ausdrückte, die Teilnehmer des Anschlages abgeschreckt habe."

(Pikel. Verhörprotokoll vom 22. Juli 1936)

Trotzki, der die Arbeit des vereinigten trotzkistisch-sinowjewistischen Zentrums in der Sowjetunion vom Ausland aus leitete, forderte besonders nach der Verhaftung von Kamenew und Sinowjew mit allen Mitteln die Ermordung der Genossen Stalin und Woroschilow auszuführen. Über seine Agenten schickte Trotzki immer wieder Anweisungen und konkrete Vorgaben zur Organisierung des Mordanschlags.

Das Mitglied des trotzkistisch-sinowjewistischen Blocks J. A. Dreizer, ein enger Anhänger Trotzkis, der früher für Trotzkis Personenschutz verantwortlich war, gestand in der Untersuchung, daß er 1934 eine schriftliche Anweisung von Trotzki erhielt, über die Vorbereitung eines Anschlages auf die Genossen Stalin und Woroschilow.

"Diese Anweisung erhielt ich durch meine Schwester Stalowizkaja, die in Warschau lebt und Ende September 1934 nach Moskau fuhr. Der Inhalt von Trotzkis Briefes war kurz. Der Text begann mit den folgenden Worten:

"Teurer Freund! Überbringen Sie die folgenden gegenwärtig vor uns stehenden Hauptaufgaben:

  1. Stalin und Woroschilow sind zu beseitigen.

  2. Die Tätigkeit für die Organisierung von Zellen in der Armee muß entfaltet werden.

  3. Im Kriegsfall muß jede Niederlage und Verwirrung genutzt werden, um das Kommando in die Hand zu bekommen.""

(Dreizer. Verhörprotokoll vom 23. Juli 1936)

Den Inhalt der Weisung bestätigt auch Mratschkowski, ein weiterer bekannter Trotzkist:

"Esterman übergab mir einen Umschlag von Dreizer. Nachdem ich den Umschlag in Gegenwart von Esterman geöffnet hatte, sah ich einen Brief von Trotzki an Dreizer. In diesem Brief gab Trotzki die Anweisung zur Ermordung von Stalin und Woroschilow."

(Mratschkowski. Verhörprotokoll vom 4. Juli 1936)

Nach dem Mord an Genossen Kirow und nach der Zerschlagung des trotzkistisch-sinowjewistischen Zentrums übernahm Trotzki die Führung des versteckten Terrorismus in der UdSSR. Für den Wiederaufbau der Terror-Gruppen in der UdSSR und zum Anstoß ihrer weiteren Tätigkeit schleuste Trotzki seine erprobten Agenten mit gefälschten Dokumenten aus dem Ausland ein. Solche gesandte Agenten waren zu verschiedenen Zeiten Berman-Jurin, W. Olberg, Fritz-David, Gorowitsch, Gurewitsch, Bychowski und weitere von Berlin nach Moskau. Sie alle hatten den Auftrag, um jeden Preis zu ermorden: Stalin, Woroschilow, Kaganowitsch und andere Parteiführer.

W. Olberg, der Agent Trotzkis, der zum Aufbau von Terror-Gruppen in die UdSSR geschickt wurde und jetzt verhaftet ist, sagte folgendes aus:

"Ich hatte direkten und regelmäßigen Kontakt zu Trotzki und auch zu Lew Sedow, der mir persönlich einige Aufträge zur Organisation aufgab, wie etwa den illegalen Kontakt in die Sowjetunion herzustellen. Bis zu meiner Verhaftung war ich ein Vertreter von Trotzki in der Sowjetunion. Ich reiste illegal in die UdSSR ein, um in der Sowjetunion trotzkistische konterrevolutionäre zu arbeiten und um Anschläge gegen Stalin zu organisieren."

(W. Olberg. Verhörprotokoll vom 13. Februar 1936)

Nach seiner Ankunft in der UdSSR schuf Olberg um nicht aufzufallen in der Stadt Gorki eine Gruppe von Terroristen und nicht in Moskau, die dann für die Ermordung des Genossen Stalin nach Moskau verlegt werden sollte. Das Attentat sollte während der Mai-Feierlichkeiten 1936 verübt werden. Dazu sollte der Leiter der trotzkistischen Organisation in Gorki, der Direktor des Pädagogischen Instituts von Gorki, I. K. Fedotow, die Terroristen nach Moskau senden, unter dem Vorwand, sie seien die besten Studenten des Pädagogischen Instituts, und ihnen so die Möglichkeit geben, bei der Demonstration auf dem Roten Platz mitzumarschieren.

Fast zur gleichen Zeit schleuste Trotzki mit Olberg auch einen weiteren Agenten ein, Berman-Jurin. Als L. D. Trotzki an Berman-Jurin die Anweisung für die Organisierung eines Attentates gegen Genossen Stalin gab, forderte er besonders, diesen Mord nicht verdeckt und geheim zu verüben, sondern offen auf einem Plenum oder einem Kongreß der Komintern.

Zusammen mit Berman-Jurin nahm der Mitarbeiter in der Komintern Fritz-David teil, an der Vorbereitung des Attentates auf Genossen Stalin. Auch er war mit persönlichem Auftrag von L. D. Trotzki im Mai 1933 in die UdSSR gereist.

Berman-Jurin und Fritz-David nahmen organisatorische Verbindung zueinander auf und bereiteten Anschläge vor, gegen Genossen Stalin auf dem VII. Komintern-Kongreß.

"Im Gespräch mit mir", sagte Berman-Jurin in der Untersuchungshaft aus, "sagte Trotzki offen, man dürfe im Kampf gegen Stalin nicht vor den äußersten Maßnahmen haltmachen und Stalin müsse physisch vernichtet werden. In seiner Stimme waren unglaubliche Erbitterung und Haß über Stalin. In dem Augenblick machte er den Eindruck eines Besessenen. Während des Gesprächs erhob sich Trotzki von seinem Stuhl und lief nervös in seinem Zimmer auf und ab. Der Haß in ihm war so groß, daß er einen tiefen Eindruck auf mich machte. Mir schien es damals, daß dieser Mann von außergewöhnlicher Ausstrahlung sei. Wie hypnotisiert verließ ich ihn."

(Berman-Jurin. Verhörprotokoll vom 21. Juli 1936)

Aber das trotzkistisch-sinowjewistische Zentrum plante nicht nur die Organisierung der Ermordung des Genossen Stalin. Es stellte sich gleichzeitig die Aufgabe, auch andere Führer der Partei zu ermorden: Woroschilow, Kaganowitsch, Ordschonikidse, Schdanow, Kossior und Postyschew.

Das trotzkistisch-sinowjewistische Zentrum rechnete damit, zusammen mit der Ermordung einer Reihe von Parteiführern in Moskau, Leningrad und in der Ukraine die Geschlossenheit der KPdSU(B) durcheinanderzubringen, Panik im Land auszulösen und so Trotzki, Sinowjew und Kamenew die Möglichkeit zu geben, an die Macht zu kommen.

Wenn Sinowjew und Kamenew von der Ermordung der Genossen Stalin, Woroschilow, Schdanow und anderen sprachen, sagten sie immer wieder: "Es genügt nicht, die Eiche zu entwurzeln, man muß auch die jungen Bäume ausreißen, die um die Eiche wachsen."

Mehrere Gruppen versuchten, die Ermordung der genannten Genossen vorzubereiten. Typisch dafür sind die folgenden Gruppen, die zeigen, wie das trotzkistisch-sinowjewistische terroristische Zentrum vorging.

Für die Ausführung eines Anschlages auf Genossen Woroschilow arbeiteten zwei Gruppen. Die eine wurde geleitet vom Trotzkisten Dreizer, dem Mitglied des Moskauer terroristischen Zentrums, der den Auftrag für die Ermordung von Woroschilow direkt von Trotzki erhielt. Als Mittäter und für die Ausführung des Attentates auf Woroschilow warb Dreizer die ehemaligen aktiven Trotzkisten und Kommandeure der Roten Armee D. A. Schmidt und Kusmitschew an. Diese gaben persönlich ihre Einwilligung, das Attentat auszuführen und bereiteten sich 1935 und 1936 aktiv darauf vor.

Der nicht unbekannte Mratschkowski sagte zum Beispiel aus, über die Arbeit der Terrorgruppe für die Organisierung des Mordes an Woroschilow. Er antwortete auf die Frage des Untersuchungsführers, ob Attentate auf Führer der KPdSU(B) außer auf Genossen Stalin konkret vorbereitet wurden:

"Mitte 1934 meldete mir J. Dreizer, der den Mord an Woroschilow vorbereitete, für was Dmitri Schmidt präpariert werden sollte, der in der Partei bisher unverdächtige Armeekommandeur. Der Plan war, daß er Woroschilow töten sollte, bei einer persönlichen dienstlichen Begegnung oder beim nächsten Manöver, an dem Woroschilow teilnehmen würde."

(Mratschkowski. Verhörprotokoll vom 9. bis 20. Juli 1936)

Die zweite Gruppe zur Organisierung des Attentates auf Woroschilow schuf der aus Deutschland eingeschleuste Trotzkist M. Lurje.

Nach den Aussagen Lurjes hatte er im August 1934 eine Begegnung mit Sinowjew in dessen Moskauer Wohnung. Während dieser Begegnung wurde Sinowjew von M. Lurje Sinowjew darüber informiert, daß er mit einer Anweisung von L. D. Trotzki in die UdSSR gekommen sei, Anschläge gegen Führer der KPdSU(B) zu organisieren, und daß die von ihm geleitete Terrorgruppe, der Nathan Lurje, Erik Konstant und Pawel Lipschitz angehörten, den Volkskommissar für Verteidigung, Genossen Woroschilow, während Jahres 1933 dauernd beobachtet hätten.

Der mit der direkten Durchführung des geplanten Mordes an Genossen Woroschilow beauftragte Nathan Lurje, sagte folgendes aus:

"Ich muß gestehen, daß die von mir geführte Terrorgruppe vom Herbst 1932 bis Ende 1933 einen Anschlag aktiv vorbereitete, auf Woroschilow, den Volkskommissar für Verteidigung. Wir hatten vor, Woroschilow beim Haus des Revolutionären Militärrates in der Frunse-Straße zu erwarten und zu töten, wofür wir ein ganzes Jahr in dieser Gegend Beobachtungen anstellten."

(N. Lurje. Protokoll des Verhörs vom 21. Juli 1936)

Über die Organisierung des Attentates auf Genossen Kaganowitsch sagte der I. S. Esterman aus, das Trotzki nahestehende aktive Mitglied des trotzkistischen-sinowjewistischen Blocks.

In der Untersuchung erzählte er, wie er die Terrorgruppe schuf:

"Im Dezember 1934 sprach sich Tschagowski für die Durchführung eines Anschlags auf Kaganowitsch aus. Er wies daraufhin, wie leicht dies zu machen sei. Tschagowski erzählte mir, daß Kaganowitsch manchmal die Lederfabrik besuche, die seinen Namen trug (früher "Roter Lieferant"), nur von wenigen Leibwächtern begleitet. Tschagowski erzählte weiter, daß Kaganowitsch nach seiner Rede im Werk mit Arbeitern spreche und es nicht besonders schwer sei, in einem solchen Moment ein Attentag auf ihn zu verüben. Das einzige Problem sei es, einen Arbeiter in diesem Werke zu finden und an die Organisation zu binden, der unsere Kämpfer rechtzeitig vor dem Eintreffen von Kaganowitsch informieren könnte. Ich stimmte diesem Vorschlag zu und gab Tschagowski den Auftrag, den Anschlag auf Kaganowitsch konkret vorzubereiten. Im Dezember 1934 erzählte mir Tschagowski, er habe im Lagerhaus der "Vereinigung zum Verkauf von Lederschuhen der UdSSR" eine Gruppe aus drei Kämpfern gebildet, die man mit der Ausführung des Anschlags beauftragen könnte."

(I. S. Esterman. Verhörprotokoll vom 2. Juli 1936)

Dies alles meldete Estermann an Dreizer, einen der Führer des terroristischen Moskauer Zentrums, der dem Plan Tschagowskis zustimmte und der Schaffung einer Terrorgruppe im Werk "L. M. Kaganowitsch", mit der Aufgabe, zur Ausführung der Ermordung des Genossen Kaganowitsch.

Auch die Gruppe unter M. Lurje hatte die Absicht, bei einer sich bietenden Gelegenheit ein Attentat auf Genossen Kaganowitsch zu verüben, auch wenn sie sich hauptsächlich darauf konzentrierte, Genossen Woroschilow zu ermorden.

Gleichzeitig geht aus den Aussagen hervor, des ehemaligen Redakteurs der "Leningrader Prawda«, Saks-Gladnew, dessen damaligen Stellvertreters Antonow und von Toivo, des bekannten Anhängers von Sinowjew, hervor, daß sie ebenso Attentate vorbereiteten, auf Genossen Stalin, auf Genossen Kaganowitsch und auf Genossen Woroschilow, im Auftrag des trotzkistisch-sinowjewistischen Zentrums, den sie über Gertik erhalten hatten, das Mitglied des sinowjewistischen-kamenewschen Zentrums.

Einen Attentat auf Genossen Ordschonikidse bereitete die Gruppe von Nathan Lurje vor, für einen möglichen Besuch Ordschonikidses im Traktorenwerk Tscheljabinsk. Die Trotzkisten hielten diesen Anschlag im Traktorenwerk von Tscheljabinsk für ungewöhnlich günstig, weil Nathan Lurje dort für einige Zeit zum Arbeitseinsatz geschickt worden war.

Darüber hinaus wurde im Juli 1934 in der Waffenfabrik Tula eine Terrorgruppe geschaffen, im Auftrag des trotzkistisch-sinowjewistischen Zentrums, deren Ziel war die Organisierung von Anschlägen auf die Genossen Stalin, Woroschilow und Ordschonikidse.

Zwei Gruppen bereiteten das Attentat auf Genossen Schdanow vor. Die eine Gruppe wurde geschaffen, von den aus dem Ausland eingeschleusten Trotzkisten C. Gurewitsch und M. Bychowski. Die zweite Gruppe wurde geschaffen, vom trotzkistisch-sinowjewistischen Zentrum mit Hilfe des aktiven Trotzkisten Seidel, und bestand aus den wissenschaftlichen Mitarbeitern der Akademie der Wissenschaften Sedych, Bussygin und Uranowski.

Die Organisierung von Attentaten in der Ukraine auf Kossior und Postyschew bereitete eine terroristische Organisation von Kämpfern vor, die sich aus mehreren Gruppen bildete. Die aktivste davon war die Gruppe unter M. A. Nyrtschuk und N. I. Muchin.

Der Führer einer der Gruppen der Terroristen, Muchin, sagte folgendes aus, über die Organisierung des Attentates auf Kossior und Postyschew:

"Unsere Organisation war prinzipiell auf Konspiration angelegt. Die festgelegten Ziele des Terrors waren Kossior und Postyschew. Die Organisation der Kämpfer bestand aus verschiedenen Gruppen, von denen ich eine führte. Die Gruppen hatten die Aufgabe, jeweils Terrorakte auf ein Ziel vorzubereiten und auszuführen. Meine Gruppe handelte zur Durchführung eines Terroraktes gegen den Sekretär des ZK der KP(B) der Ukraine Kossior. Den Anschlag auf Postyschew organisierte die Gruppe von Gluchenko, Swad und Fessjur."

(Muchin. Verhörprotokoll vom 11. Dezember 1935)

Die Ermittlungen haben ergeben, daß die Terrorgruppen Attentate vorbereiteten, auf die Genossen Stalin und Woroschilow, Kaganowitsch, Ordschonikidse, Schdanow, Kossior und Postyschew, die zu verschiedenen Zeiten organisiert wurden, und bis zu ihrer Verhaftung funktionierten, bis zum Jahre 1936. Ihre letzten Attentate waren geplant für den 1. Mai 1936. Man ging davon aus, daß zeitgleiche Anschläge an verschiedenen Orten Verwirrung in die Reihen der KPdSU(B) tragen könnten und es Trotzki, Sinowjew und Kamenew ermöglichen würden, an die Macht zu kommen.

  1. Nachdem sich der trotzkistisch-sinowjewistische Block auf den Weg des individuellen weißgardistischen Terrors gemacht hatte, verlor er jedes Gefühl für Scham und nutzte für seine verbrecherischen Vorhaben nicht nur die Dienste der Trümmer der Epigonen der Weißgardisten, sondern auch die ausländischer Geheimdienste, Sicherheitsleute, Spione und Provokateure.

So wurde zum Beispiel die Terrorgruppe, die der aus Deutschland eingeschleuste M. Lurje leitete, von dem aktiven deutschen Faschisten Franz Waiz aufgebaut, einem Abgesandten Himmlers (früher Führer der SA in Berlin, jetzt Führer der Gestapo).

Als M. Lurje einen Besuch bei Sinowjew abstattete, informierte er diesen davon, daß die Mitglieder seiner Terrorgruppe organisierte Verbindung zu dem Faschisten Franz Waiz und der deutschen Gestapo unterhalten. Er fragte Sinowjew, wie er dies sehe.

Darauf antwortete Sinowjew: "Was stört Sie daran? Sie sind doch Historiker, Moissej Iljitsch. Sie kennen doch die Verbindung zwischen Lassalle und Bismarck, als Lassalle sich Bismarcks im Dienst der Revolution bedienen wollte."

(M. Lurje. Verhörprotokoll vom 21. Juli 1936)

Zu den Motiven seiner Verbindung mit dem Mitglied der deutschen Gestapo Franz Waiz sagte das Mitglied der von M. Lurje organisierten Terrorgruppe E. K. Konstant folgendes aus:

"Da ich persönlich sehr erbittert war, über die Politik der KPdSU(B) und über Stalin, gab ich relativ leicht der politischen Beeinflussung von Seiten Franz Waiz nach. In den Gesprächen mit mir sagte Franz Waiz, daß unsere unterschiedlichen politischen Standpunkte (ich als Trotzkist und er als Faschist) eine gemeinsame Front von Trotzkisten und Nationalsozialisten im Kampf gegen Stalin und seine Anhänger sich nicht ausschließt, sondern, im Gegenteil, eine Voraussetzung sein sollte. Nach gewissen Zweifeln und Schwankungen stimmte ich den Argumenten von Franz Waiz zu und blieb die ganze Zeit mit ihm in Kontakt."

(Konstant. Verhörprotokoll vom 21. Juli 1936)

Wie in der Untersuchung herauskam, hatten viele der von Trotzki in die UdSSR eingeschleusten Terroristen ebenfalls Verbindungen zur deutschen Gestapo. Die Untersuchung brachte an den Tag, daß Trotzki von diesen Verbindungen zur Gestapo wußte und diese für eine erfolgreichere Durchführung von Attentaten auf die Führer der Sowjetmacht für wünschenswert hielt. So reiste zum Beispiel der von Trotzki eingeschleuste Agent Walentin Olberg, der eine Terrorgruppe für das Attentat auf Genossen Stalin organisierte, mit dem Paß eines Bürgers der Republik Honduras in die UdSSR ein, bei dessen Erhalt ihm die deutsche Gestapo geholfen hatte.

Als die Gestapo Kontakt zu W. Olberg aufnahm, plante sie zunächst, ihm einen eigenen Auftrag zur Spionage in der UdSSR mitzugeben. Als sie jedoch von Olberg erfuhr, daß er von Trotzki die Weisung hatte, einen Anschlag auf Stalin zu organisieren, stimmte sie diesem Plan voll und ganz zu und versprach jede Unterstützung bis zur Organisierung der Flucht ins Ausland nach Ausführung des Mordes. Olberg wurden unter anderem von der deutschen Gestapo Begegnungen zu einer Reihe deutscher Agenten in der UdSSR vermittelt.

Bevor Olberg den Vorschlag annahm für die Zusammenarbeit mit der Gestapo, beschloß er, die Zustimmung der trotzkistischen Organisation einzuholen. Dazu wandte er sich an Trotzki über dessen Sohn Sedow, der die ganze organisatorische Arbeit des Einschleusens leitete und der Verbindung zu Terroristen in der UdSSR zum ausländischen Zentrum der Trotzkisten aufrecht erhielt. W. Olberg sagte darüber in der Untersuchung folgendes aus:

"Ich konnte mich nicht dazu durchringen, ohne eine besondere Anweisung von Sedow darauf einzugehen, und informierte Sedow in Paris mit einem verschlüsselten Brief, daß die Möglichkeit bestehe, mit einer großen deutschen Organisation weit rechter Einstellung (gemeint war die Gestapo) Verbindung aufzunehmen, die mir beim Erhalt eines Passes und bei der Einreise in die Sowjetunion helfen könnte. Sedow schrieb mir, er sei einverstanden mit der Aufnahme von Verbindungen zu dieser Organisation, erinnerte jedoch eindringlich an die Notwendigkeit, diesen Kontakt streng geheimzuhalten."

(W. Olberg. Verhörpotokoll vom 9. Mai 1936)

Die von Trotzki in die UdSSR eingeschleusten Trotzkisten Gurewitsch und Bychowski hatten auch, wie sich herausgestellt hat, Kontakte zur deutschen Abwehr.

Alle mit der deutschen Polizei in Kontakt stehenden Trotzkisten, die in die UdSSR eingeschleust wurden, hatten Zugang zur deutschen Botschaft in Moskau und nutzten ohne jeden Zweifel deren Dienste.

So erzählte zum Beispiel der bereits erwähnte Trotzkist Nathan Lurje, dessen terroristische Arbeit Trotzki und Sinowjew bekannt war, während der Untersuchung über das Vorhaben, die deutsche Botschaft zu nutzen. Er erzählte folgendes:

"Nach der Unterhaltung mit M. Lurje holte ich Konstant und Lipschitz, und wir diskutierten zu dritt den Stand der Beobachtung von Woroschilow. Mein Vorschlag wurde angenommen, Sprengstoff zu beschaffen. Wir gaben Konstant den Auftrag, diesen in der deutschen Botschaft zu beschaffen, wo er Verbindungen hatte, die ihm Waiz vermittelt hatte. Wir sprachen uns mit Konstant ab, in die deutsche Botschaft zu gehen, jedoch verhinderte meine plötzliche Versetzung nach Tscheljabinsk für zwei Jahre die Ausführung dieses Vorhabens."

(N. Lurje. Verhörprotokoll vom 21. Juli 1936)

6. Zum Erwerb des notwendigen Materials für die Organisierung von Anschlägen stahl der trotzkistisch-sinowiewistische konterrevolutionäre Block staatliche Mitteln und unterschlug Gelder des Volkes.

Während der Untersuchung kam heraus, daß auf einer der Sitzungen des vereinigten trotzkistisch-sinowjewistischen Zentrums einigen aktiven Trotzkisten und Sinowjew-Leuten vorgeschlagen wurde, Kontakt zu Trotzkisten und Sinowjewanhängern aufzunehmen, die getarnt in der Wirtschaft arbeiteten, um so die notwendigen Mittel zu erhalten. Ein solcher Auftrag wurde unter anderem an Reinhold erteilt. Letzterer sollte im Auftrag von Kamenew die Verbindung zu dem getarnten Doppelzüngler G. M. Arkus knüpfen, dem stellvertretenden Vorsitzenden der Staatsbank der UdSSR.

Nach der Aussage von Reinhold unterstützte Arkus das trotzkistisch-sinowjewistische Zentrum regelmäßig materiell. Reinhold sagte während der Untersuchung aus, Arkus habe im Juli oder August 1933 30.000 Rubel für die Ausrüstung des trotzkistisch-sinowjewistischen Zentrums überwiesen. 15.000 Rubel überwies er an den Karthograpischen Trust, der damals von dem aktiven Anhänger Sinowjews Fjodorow geleitet wurde, sowie 15.000 Rubel an einen anderen Wirtschaftstrust, den der nicht unbekannte G. Jewdokimow leitete. Das Geld wurde unter dem Vorwand der Bezahlung statistisch-ökonomischer Arbeiten überwiesen, die nicht vom Staat bestimmt werden.

In vielen Fällen bereiteten die terroristischen Gruppen der Trotzkisten und Sinowjew-Leute Überfälle vor, um Material und Waffen für neue Anschläge zu erbeuten. So versuchte zum Beispiel eine Terrorgruppe aus Gorki unter der Führung des Trotzkisten Popow einige Überfälle, zur Erbeutung von Geld und Waffen.

L. A. Lawrentjew, aktives Mitglied in dieser Gruppe, sagte während der Untersuchung aus:

"Der von der terroristischen und konterrevolutionären trotzkistischen Gruppe aufgestellte Plan für einen Anschlag auf Genossen Stalin bestand aus den folgenden Teilen:

Erstens. Beschaffung von Material für die Terrorgruppe durch Enteignung staatlicher Behörden und Banken;

Zweitens. Anschaffung von Waffen für die Mitglieder der Terrorgruppe;

Drittens. Direkte Vorbereitung und Durchführung des Anschlages auf Stalin.

Während einer Beratung der Terrorgruppe wurde der Beschluß angenommenn, daß Popow, Chramow, Pugatschow und ich (Lawrentjew) uns völlig der terroristischen Arbeit widmen und unsere Stellen kündigen sollten. Als erster wurde auf Weisung von Popow Chramow entlassen. Im Auftrag von Popow fuhr Chramow in den Rayon Ardatow, um die Enteignung vorzubereiten. Als Anfang war geplant, die Kasse eines Dorfsowjets zu rauben, wenn sie den höchsten Betrag an Steuergeldern in sich hatte. Bald nach der Abreise von Chramow wurden Popow und Pugatschow entlassen. Ich war im Urlaub. Wir drei fuhren gemeinsam mit Pelewina in das Dorf Chochlowo im Rayon Ardatow, um die Enteignung der Kasse des Dorfsowjets auszuführen. Als wir im Dorf Chochlowo ankamen, erzählte uns Chramow, daß die Enteignung gescheitert sei. Zwei Tage lang versuchte auch Popow, die Enteignung auszuführen, aber auch sein Versuch scheiterte. Deshalb wir, die Mitglieder der Terrorgruppe, Popow, ich (Lawrentjew), Pugatschow und Pelewina nach Arsamas. Auf Vorschlag von Popow bereiteten wir Überfälle auf Kassierer vor, die große Summen von der Bank holten. Drei Personen wurden für diese Überfälle ausgewählt. Die Überfälle selbst wurden nicht ausgeführt, weil sich dafür keine günstige Gelegenheit ergab."

  1. A. Lawrentjew. Verhörprotokoll vom 9. November 1935)

Bis hierher die Fakten über die konterrevolutionäre terroristische Tätigkeit des vereinigten Zentrums des Blocks der Trotzkisten-Sinowjewisten.

II.

SCHLUSSFOLGERUNGEN

Diese Fakten zeigen, daß das trotzkistisch-sinowjewistische konterrevolutionäre Zentrum und seine Führer Trotzki, Sinowjew und Kamenew endgültig in den weißgardistischen Sumpf gesunken sind, daß sie sich mit den berüchtigtsten und erbittertsten Feinden der Sowjetmacht zusammengeschlossen haben und zur ausführenden Kraft der Vertreter der in der UdSSR zertrümmerten Klassen geworden sind, die in ihrer Verzweiflung zur niederträchtigsten Art des Kampfes gegen die Sowjetregierung greifen, zum Terror.

Sie sind nicht nur zur ausführenden Kraft der Vertreter zertrümmerten Klassen in der UdSSR geworden, sondern auch zur Vorhut der konterrevolutionären Bourgeoisie außerhalb unseres Landes, zu deren Vollstrecker und Hoffnungsträger.

Mit ihrer ganzen Tätigkeit beflügelten sie die übelsten Elemente der weißgardistischen Emigration, die im Dienste ausländischer Geheimdienste stehen und sich im Ausland zu terroristischen Gruppen zusammengeschlossen haben, wie der "ROWS", der "Russischen Faschistischen Partei", dem "Faschistischen Jugendbund" usw.

Sie sind zur ausführenden Kraft der übelsten und erbittertsten Feinde der UdSSR geworden, weil sie keine anderen politischen Motive haben, im Kampf gegen die Partei und die Sowjetmacht, als nackten, unverkleideten Karrierismus und den Wunsch, um jeden Preis an die Macht zu gelangen. Im Angesicht der nicht zu bestreitenden Erfolge beim sozialistischen Aufbau hofften sie am Anfang, daß unsere Partei mit den Schwierigkeiten nicht fertig würde, wodurch der Nährboden entstehen könnte, für ihre Aktionen und ihren möglichen Weg an die Macht. Da sie jedoch sehen, daß die Partei die Schwierigkeiten mit Erfolg meistert, setzen sie auf eine Niederlage der Sowjetmacht in einem heranziehenden Krieg, mit dem sie glauben, an die Macht kommen zu können.

Und da sie endlich keine Perspektive sehen, greifen sie in ihrer Verzweiflung zum letzten Kampfmittel, zum Terror.

Während sich die trotzkistisch-sinowjewistischen Gruppen früher in ihren Kampf gegen die Partei damit aufbauten, daß Partei und Regierung angeblich die falsche Politik machen würden und das Land damit in den Untergang führen, so haben sie jetzt eine ganz entgegengesetzte Motivation. Jetzt ist für sie das wichtigste Motiv für ihren Terror gerade der Erfolg, den unsere Partei an allen Fronten des sozialistischen Aufbaus errungen hat, ein Erfolg, der bei ihnen Wut auslöst und sie zu Vergeltung treibt und zu ihrem politischen Bankrott.

Einer der Führer des vereinigten trotzkistisch-sinowjewistischen Blocks, Kamenew, sagte während der Untersuchung folgendes aus:

"Ich muß zugeben, daß wir der Politik der KPdSU(B) tatsächlich kein sinnvolles Programm entgegenstellten und dazu auch überhaupt nicht in der Lage waren.

Am Anfang unserer Verhandlungen mit den Trotzkisten versuchten wir noch schwach, eine mögliche Ausarbeitung eines sinnvollen Programmes zu erörtern.

Bald waren wir jedoch davon überzeugt, daß dies eine vergebliche Anstrengung war, da wir über kein ideologisches oder politisches Programm verfügten.

Unsere Hoffnung war im zweiten Halbjahr 1932 bereits endgültig gescheitert, darauf, daß die Schwierigkeiten unseres Landes unüberwindbar wären, auf die Krise in der Wirtschaft, auf das Scheitern der Wirtschaftspolitik der Parteiführung .

Unter der Führung des ZK der KPdSU(B) überwand unser Land die Schwierigkeiten und schritt erfolgreich voran, auf dem Weg de Wachstums der Wirtschaft. Dies war für uns einfach nicht zu übersehen.

Eigentlich hätten wir den Kampf beenden müssen. Aber die Logik des konterrevolutionären Kampfes, nacktes, ideenloses Streben nach Macht führten uns genau in die andere Richtung.

Die Meisterung der Schwierigkeiten, der Erfolg der Politik des ZK der KPdSU(B) lösten in uns neuen Wut und Haß gegen die Parteiführung und vor allem gegen Stalin aus."

(L. Kamenew. Verhörprotokoll vom 24. Juli 1936)

Gleiche Aussagen machte auch das Mitglied des Moskauer terroristischen Zentrums, der Sinowjew-Anhänger I. I. Reinhold:

"Kamenew traf ich in der zweiten Hälfte des Jahres 1933, danach 1934 in seiner Wohnung in der Karmanizki-Gasse in Moskau. Kamenew schätzte die Situation ähnlich ein wie Sinowjew und stützte seine Ansichten auf eine Analyse der ökonomischen und politischen Situation im Land. Er kam zu der Ansicht, daß "wir uns keiner Katastrophe, sondern einem Aufschwung gegenüber sehen. Deshalb ist das Warten auf einen unaufhaltsamen Zusammenbruch ohne Aussicht auf Erfolg. Die jetzige Führung ist hart wie Granit, so daß nicht damit zu rechnen wäre, daß sie sich selbst spaltet." Daraus schlußfolgerte Kamenew, daß "die Führung von außen gespalten werden muß". Kamenew zitierte mehrmals Trotzki, daß "alles über die Führung entschieden wird und man deshalb die Führung aus dem Weg räumen muß".

Kamenew erklärte die Notwendigkeit des Kampfes mit terroristischen Mitteln und vor allem der Ermordung von Stalin. Er erklärte, daß dies der einzige Weg sei für die Machtergreifung. Besonders erinnere ich mich an seine zynische Äußerung, daß "das Eigentümliche an Köpfen ist, daß sie nicht mehr nachwachsen".

Kamenew schlug vor, Kämpfer für Anschläge auszubilden. Er erklärte, eine Merkmal des neuen Blocks sei im Vergleich zu früheren Blöcken der Opposition der Übergang zum aktiven Terror."

Und weiter:

"Ich habe schon früher ausgesagt, daß der vereinigte trotzkistisch-sinowjewistische Block über kein politisches Programm verfügte. Man stand politisch auf der alten wackligen Plattform, und kein Führer des Blocks arbeitete oder interessierte sich auch nur für die Erarbeitung eines geschlossenen und zusammenhängenden politischen Programms. Das einzige, das diesen kunterbunten Block zusammenhielt, war die Idee des Terrorismus gegen die Führer der Partei und der Regierung.

Der Block war wirklich eine konterrevolutionäre, terroristische Bande von Mördern, die mit jedem Mittel die Macht im Lande erringen wollten."

(I. I. Reinhold. Verhörprotokoll vom 9. Juli 1936)

Wie man hier sieht, beweisen die Aussagen der Inhaftierten folgendes: Die Trotzkisten und Sinowjew-Leute, die kein produktives, für die Werktätigen unseres Landes zu akzeptierendes politisches Programm aufweisen können, die keinen Einfluß auf die Massen haben und keine Verbindung zu ihnen, die gezwungen sind, die entscheidenden Erfolge unserer Partei und ihren eigenen völligen politischen Bankrott anzuerkennen, sind nun zu einer prinzipienlosen Mörderbande verkommen, deren einziges "Prinzip" die Losung von Karrieristen ist, sich mit allen Mitteln an die Macht zu bringen.

Von diesem "Prinzip" sind sie ausgegangen und haben damit die Mittel und Methoden ihres Kampfes bestimmt.

Doppelzüngelei als Prinzip der Beziehungen zur Partei und zum Sowjetstaat wird von ihnen groß propagiert und hat unglaubliche Ausmaße erreicht. Sie haben ein großes System der Doppelzüngelei erschaffen, um daß sie jeder Asef mit all seinen Spionen, Provokateuren und Diversanten nur beneiden kann.

Die Trotzkisten und Sinowjew-Leute, die Doppelzüngelei als wichtigste Methode betrachten, die ihnen zur Macht verhelfen kann, haben diese auch in ihrer terroristischen Arbeit breit angewendet. Sie tarnten sorgfältig ihre niederträchtigen terroristischen Pläne, warfen jeden Tag ihre eigenen Auffassungen und Überzeugungen in den Schmutz, schworen jeden Tag der Partei ihre Treue, spielten sich als Anhänger der Linie des ZK auf und hofften, daß es ihnen nach der Ermordung der wichtigsten Führer von Partei und Regierung damit gelingen würde, an die Macht zu kommen, weil sie vor den Augen der Partei und der breiten Massen der Werktätigen als reuevolle Verfechter der Politik von Lenin und Stalin auftreten würden, die ihre Fehler und Verbrechen eingesehen haben.

Deshalb war ihre besondere Sorge, ihre terroristische Tätigkeit zu tarnen.

Darum gaben Trotzki, Sinowjew und Kamenew auf der einen Seite Anweisungen zur Ausführung von Anschlägen aus, wiesen aber auf der anderen Seite ihre Anhänger eindringlich an, alle Beziehungen zu trotzkistisch-sinowjewistischen Gruppen geheimzuhalten.

Reinhold erzählte zum Beispiel in seinen Aussagen über folgende Anweisungen von Sinowjew:

"In den Jahren 1933 bis 1934 erzählte mir Sinowjew unter vier Augen in seiner Wohnung, daß die wichtigste praktische Herausforderung darin bestehe, das terroristische Handeln so geheim zu halten, daß man sich nie in Verdacht bringt. Bei einem Verhör ist das wichtigste, jeden Kontakt zur Organisation zu leugnen. Wenn man einer terroristischen Arbeit beschuldigt wird, muß man dies klar abstreiten und damit argumentieren, daß individueller Terror mit den Vorstellungen eines marxistischen Bolschewiki unvereinbar ist."

(l. I. Reinhold. Verhörprotokoll vom 17. Juli 1936)

Besonders in Sorge war Trotzki in dieser Frage. Er wies an, daß sich die Trotzkisten nach der Ausführung eines Anschlages von diesem distanzieren und "eine Haltung einnehmen sollten wie früher das ZK der Sozialrevolutionäre zu Frau Kaplan", die auf Lenin geschossen hatte.

Über verschiedene Möglichkeiten der Machtergreifung erzählte in der Untersuchung L. B. Kamenew mit ungezügeltem Zynismus.

Er antwortete folgendes, auf die Frage des Führers der Untersuchung, ob im trotzkistisch-sinowjewistischen Zentrum Pläne für die Machtergreifung beraten worden seien:

"Diese Frage haben wir mehrmals besprochen. Wir hatten zwei Möglichkeiten für den Machtantritt der Führer des trotzkistisch-sinowjewistischen Blocks im Auge und geplant.

Die erste, die uns am sichersten scheinende Möglichkeit bestand darin, die nach der Ausführung eines Anschlages gegen Stalin in der Führung von Partei und Regierung entstehende Verwirrung zum Eintritt für Verhandlungen zu nutzen, mit uns, mit den Führern des trotzkistisch-sinowjewistischen Blocks, in erster Linie mit Sinowjew, Kamenew und Trotzki.

Wir glaubten, daß Sinowjew und ich in diesen Verhandlungen die führenden Funktionen in Partei und Staat übernehmen würden. Denn schon unter Stalin hatten wir durch unsere Politik der Doppelzüngelei bereits erreicht, daß uns die Partei unsere Fehler verziehen und uns wieder in ihre Reihen aufgenommen hatte. Genauso würde die Beteiligung von Sinowjew, Trotzki und mir an Anschlägen für die Partei und das Land ein Geheimnis bleiben.

Die zweite Möglichkeit der Ergreifung der Macht, die mir nicht so zuverlässig erschien, bestand darin, daß nach einem Anschlag auf Stalin Unsicherheit und Desorganisation in der Führung der Partei und des Landes auftreten würden.

Den Führern des trotzkistisch-sinowjewistischen Blocks würde es gelingen, die Verwirrung auszunutzen und die übriggebliebenen Parteiführer zu zwingen, uns die Macht zu übergeben oder uns ihren Posten abzutreten.

Die Ankunft Trotzkis und seine aktive Teilnahme am Kampf für die Machtergreifung galt als selbstverständlich.

Zudem hielten wir es für möglich, daß an der Bildung einer neuen Regierung auch die Rechten – Bucharin, Tomski und Rykow – beteiligt sein könnten."

(Kamenew. Verhörprotokoll vom 23. bis 24. Juli 1936)

Dazu erzählte Reinhold während der Untersuchung: "Neben der streng verdeckten Arbeit bei der Vorbereitung von Anschlägen gegen die Führung von Partei und Regierung versuchten Sinowjew und Kamenew alles, Vertrauen im ZK und in der Partei zu bekommen, und, wenn möglich, wieder eine führende Stelle in der Partei zu erhalten.

Unmittelbar dafür dienten die Meinungsäußerungen von Kamenew und Sinowjew in der Presse, in denen sie ihre Treue zur Partei bekundeten und ihre Absage an ihre Vergangenheit hervorhoben. Auf Treffen mit Parteiführern bekundetenn Sinowjew und Kamenew auf jede Art ihre Gefolgschaft und Treue zum Zentralkomitee der Partei sowie ihre Abwendung von früheren Fehlern. Demselben Zweck dienten auch die Reden von Sinowjew und Kamenew auf der Tribüne des XVII. Parteitages.

Sinowjew und Kamenew glaubten dabei, daß ein erfolgreicher Anschlag auf die Führer der Partei und der Regierung ihnen, denen die Partei verziehen hatte und die unter Stalin wieder in ihre Reihen aufgenommen wurden, einen direkten Weg in die Führung von Partei und Staat ebnen würde.

Auf diesen macchiavellistischen Plan für einen Kampf liefen die tief verborgenen Gedanken von Sinowjew und Kamenew über den Weg für ihre Machtergreifung hinaus."

(Reinhold. Verhörprotokoll vom 17. Juli 1936)

Darin besteht die Konterrevolution der Trotzkisten und Sinowjew-Leute, diese ins Lager der erbittertsten Feinde der Sowjetmacht übergetretenen Verräter der Partei und der Arbeiterklasse, unserer sozialistischen Revolution und unserer sozialistischen Heimat.

Das ZK der KPdSU(B) betrachtet es als notwendig, diese Fakten über die terroristische Arbeit der Trotzkisten und Sinowjew-Leute allen Parteiorganisationen mitzuteilen und noch einmal alle Parteimitglieder auf den Auftrag des Kampfes gegen die Reste der schlimmsten Feinde unserer Partei und der Arbeiterklasse aufmerksam zu machen, auf die Aufgabe der allgemeinen Erhöhung der bolschewistischen revolutionären Wachsamkeit zu weisen.

Das ZK der KPdSU(B) macht allen Parteimitglieder bewußt, daß es den Feinden der Partei nach dem Mord an Genossen Kirow in einzelnen Parteiorganisationen bereits möglich war, durch ungenügende Wachsamkeit und unter dem Mantel des Namens von Kommunisten ihre terroristische Arbeit aktiv weiterzuführen.

Nur fehlende bolschewistische Wachsamkeit erklärt die Tatsache, daß es Olberg, dem Agenten Trotzkis, der 1935 aus Berlin in die Sowjetunion eintraf, mit Unterstützung der getarnten Trotzkisten Fedotow und Jelin gelungen ist, die im Parteiapparat der Region Gorki führende Funktionen innehaben, sich zu legalisieren und eine terroristische Gruppe zu schaffen, die die Ermordung von Parteiführern vorbereitet.

Nur fehlende bolschewistische Wachsamkeit kann die Tatsache erklären, daß es in einigen Kreisparteikomitees von Leningrad (Kreisparteikomitee Wyborg) den Trotzkisten und Sinowjew-Leuten bereits im Jahr 1935 gelungen war, wieder Mitglieder der Partei zu werden und sich in einigen Fällen sogar in den Apparat der Partei einzuschleichen und ihre Funktionen zu hinterhältigen terroristischen Vorhaben zu mißbrauchen.

Nur fehlende bolschewistische Wachsamkeit kann die Tatsache erklären, daß die Trotzkisten und Sinowjew-Leute ein festes Netz knüpften, in wissenschaftlich-technischen Instituten, in der Akademie der Wissenschaften und in anderen Einrichtungen in Moskau, Leningrad, Kiew und Minsk.

Und schließlich kann auch nur die fehlende bolschewistische Wachsamkeit erklären, daß einige der verhafteten Mitglieder der terroristischen Gruppen in einigen Organisationen der Partei die Überprüfung der Parteiausweise bestanden haben und in den Reihen der Partei bleiben konnten.

Heute, wo erwiesen ist, daß die trotzkistisch-sinowjewistischen Ungeheuer in ihrem Kampf gegen die Sowjetmacht alle verbitterten und eingefleischten Feinde der Werktätigen unseres Landes Spione, Provokateure, Diversanten, Weißgardisten, Kulaken usw. vereinen, da zwischen diesen Elementen auf der einen Seite sowie den Trotzkisten und Sinowjew-Leuten auf der anderen Seite die Grenzen verschwimmen, müssen alle Organisationen der Partei und alle Mitglieder der Partei begreifen, daß die Wachsamkeit für einen Kommunisten an jedem Ort und in jeder Situation unverzichtbar ist.

Eine unverzichtbare Eigenschaft eines jeden Bolschewiken unter den gegenwärtigen Bedingungen muß die Fähigkeit sein, den Feind der Partei zu enttarnen, wie gut er sich auch verstecken mag.

Moskau, 29. Juli 1936

Zentralkomitee der KPdSU(B)

Stalin Brief 1936 - Lehren aus dem Mord an Kirow: Ende

 

 

 

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